Golden Retriever

Golden Retriever kennt eigentlich jeder. Große, schwere, meist weiße Hunde, die nette Familienhunde sind und eher bequem.

Weniger bekannt ist, dass Retriever eigentlich Jagdhunde aus England sind, die für die Arbeit nach dem Schuss gezüchtet wurden.

Beim Golden Retriever hat sich eine sogenannte Trennung in Show- und Arbeitslinien vollzogen. Diese Unterscheidung ist sowohl optisch, als auch vom Interieur ziemlich deutlich. Der Golden Retriever aus Arbeitslinien ist meist deutlich leichter. Das Fell ist golden bis hin zu einem satten braun und sie sind sehr temperamentvoll. Ein Golden Retriever aus Arbeitslinien ist (sofern er dem Rassestandard entspricht) sehr freundlich und offen, verspielt, temperamentvoll, bewegungsfreudig und liebt es zu apportieren. Besonders bekannt ist der sogenannte will-to-please, damit ist der Willen, seinem Menschen zu gefallen, gemeint. Das bedeutet keinesfalls, dass sich ein Golden von allein erzieht, aber er möchte bei der Arbeit alles richtig machen und hasst es zu versagen. Leider schließt das nicht aus, dass ein Golden nicht auch mal Ungehorsam ist. Sie lernen sehr schnell, das gilt sowohl für wünschenswertes, als auch für weniger wünschenswertes. Besonders ihr Temperament muss über den Gehorsam in die richtige Bahnen gelenkt werden. Wird das verpasst, kann auch ein Golden sehr anstrengend werden.

Über Golden Retriever aus sogenannten Field Trial oder Arbeitslinien findet man häufig leider wenig Informationen im deutschsprachigen Raum und wenn dann nur allgemeine Aussagen wie: "Gute Familienhunde." Aber wo liegt der Unterschied zum Labrador aus Field Trial Linien? Es ist natürlich weit mehr als die Farbe, um einen Eindruck zu vermitteln, habe ich ein paar interessante Aussagen zum Golden Retriever als Jagdhund übersetzt:

 

"Generell finde ich, dass Golden langsamer auszubilden sind, als Labradore. Sie zeigen selten die gleiche Dynamik, haben aber unwiderstehliche Persönlichkeiten. Golden spielen genauso gerne wie sie hart arbeiten. Sie sind genial mit Kindern und ich habe noch keinen gesehen, den ich nicht hübsch fand. Also wenn Sie die Zeit und die Neigung haben, vielleicht sollten sie einen Golden in Erwägung ziehen." - Vic Barlow (British Training for American Retrievers)

 

"[...]1930 veröffentliche Captain Hardy sein Buch über gute Jagdhunde und in diesem Buch erklärt er wieso er länger Golden hielt als jede andere Hunderasse. „Ich mag sie am Liebsten.“, betonte er. „Ich finde sie einfach auszubilden und einfach im Umgang, sie sind gute Schweißhunde und exzellent bei der Wasserarbeit." [...]

Ein wenig später steuerte Rev. E.N. Needham Davies ein Kapitel über Golden zu dem Buch „Jagdhunde: Ihr Training, ihre Arbeite und Handling“ und betonte ähnliche Qualitäten: Während viele Field Trial Hunde sehr gehorsam an der Pfeife waren, hatte der Golden nicht seine ursprünglichen Jagdeigenschaften verloren. „Schnell und Sicher“, schrieb er. „Ist exzellent. Beides sind Jagdhundwerte, aber die Sicherheit ist wichtiger. Ein Golden ist sicher... mit einer Nase an die keiner herankommt. Er hält seine Linie.“ Zuviel Tempo, fügt er hinzu, und er verliert dies. Auch im Wasser seien sie tiptop und sehr verlässlich im Unterholz. „Der Golden ist ein schöner Hund zur Ausbildung. Er ist freundlich und lernwillig. Ich würde sagen, dass er im Ganzen gesehen einfacher auszubilden ist als die anderen Varietäten.“ Er selber habe „Curlies, Flats und Labradore gehalten, gezüchtet und ausgebildet."[...]

Eine verbreitete Annahme über Golden ist die, dass sie sich langsamer entwickeln als Labradore: Sie sind länger welpenhaft und verspielt. Dies sagt aber nicht genug über den Golden aus: Was zählt ist, dass Charakter sich langsamer entwickelt als rohe Intelligenz. Man muss demnach also dem Reiz widerstehen vorauszueilen: Ein Reiz, der immer präsent ist aufgrund der Schnelligkeit mit der Arbeitsgolden üblicherweise lernen.[...]

Genauso wichtig ist June Atkinsons Warnung: „Du darfst mit einem Golden niemals die Beherrschung verlieren.“ [...]

Die Bereitschaft der Golden Retriever zur Zusammenarbeit, schreibt er (Derek Freeman), sei manchmal aufgebraucht und das würde dann als Sturheit interpretiert. Das sei so aber nicht richtig, korrekter sei ein „Mangel an Großmütigkeit.“ Golden Retriever sind intelligent, sie wissen worum es im Leben geht und als Individuen finden sie schnell heraus, womit sie davonkommen. Es ist eine Rasse, die leicht beleidigt ist und wenn sie ihren Großmut und ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit zurückziehen, kann sie manchmal nur schwer wieder hergestellt werden. [...]

Die Sensibilität von Golden muss respektiert werden und es ist absolut unnötig, dass ihre Intelligenz heruntergespielt wird von Leuten, die einen unterschiedlichen Reifeprozess mit angeborenen Fähigkeiten verwechseln. Dies sind zwei sehr unterschiedliche Dinge. [...]

Golden sind sehr gesellig und sind nicht für die Kennelhaltung geschaffen. Sie binden sich. Sie wollen mit ihren Menschen zusammen sein. Daher ist es möglich Golden als Welpen relativ wild aufwachsen zu lassen und sie trotzdem noch hinzukriegen. [...]"

Aus: Graham Cox: The Golden Retriever as a working gundog (http://www.thegoldenretrieverclub.co.uk/workgun.html)

Es bleibt zu sagen: Wer einen Hund will mit dem er innerhalb kürzester Zeit erfolgreich Prüfungen starten kann, der muss sich einen Labrador holen. Ein Golden braucht mehr Zeit in der Ausbildung, weil er erst später die nötige geistige Reife besitzt, was aber kein Zeichen für mangelnde Intelligenz ist, im Gegenteil.

Es ist eher eine Typfrage, was man lieber mag. Bei der International Gundog League Championship in England sind zwar vor allem die Labradore vorne dabei, aber es gibt auch zahlreiche erfolgreiche Golden Retriever, sowohl auf nationalen Workingtests, als auch auf internationalen Meisterschaften. Ich denke aber schon, dass man mit einem Labrador etwas leichter und vor allem schneller ans Ziel kommt.

Ich persönlichen habe mehr Spaß und Freude daran einen Golden zu führen und einem Golden bei der Arbeit zuzusehen, als anderen Rassen. Wer sich noch unsicher ist, welche Rasse für ihn die richtige ist, sollte ein paar Prüfungen des DRC besuchen und die Hunde auf sich wirken lassen. Häufig ist es immer wieder dergleiche Typ Hund, der einen begeistert, und wenn man Ahnentafeln vergleicht, tauchen dort immer wieder diegleichen Hunde auf. Doch Vorsicht - auch innerhalb der Arbeitslinien von Golden und Lab gibt es große Unterschiede im Arbeitsstil, im Äußeren und auch im Wesen. Beim Golden unterscheidet man vor allem zwischen europäischen und amerikanischen Arbeitslinien (wobei sie ursprünglich alle aus England kommen).